Train like the Pros! Or maybe don’t?

In meinem letzten (und ersten) Post habe ich bereits erwähnt dass Fussballer sich mit anderen Spielern und auch Athleten aus anderen Sportarten austauschen. Das gilt natürlich für jeden der in irgendeiner Weise Sport betreibt. Jeder Aktive versucht über den eigenen Tellerrand zu schauen um besser zu werden, sich an anderen Konzepten zu orientieren oder zumindest die Monotonie im eigenen Training zu durchbrechen. Jeder Trainer da draußen dürfte es also schon oft genug erlebt haben, dass seine Schützlinge auf ihn zukommen mit Plänen die von jemand anderem entworfen wurden. Nachdem unter Guardiola häufiger ein Ausdauer-Fussball Parcours aufgebaut wurde habe ich auf einmal bei den kleinsten Vereinen das gleiche gesehen obwohl, nichts für ungut, die Dritte Herrenmannschaft von Tus Nord-Brempfhausen technisch und konditionell nicht auf diesem Niveau ist. Gerade meine Footballer, egal ob bei den Lions oder Rangers, waren immer besonders empfänglich dafür und versuchten dann den Stars, NFL-Teams oder College nachzueifern. Da stellt sich natürlich die Frage: Lohnt sich das? Um das ganze etwas handfester zu machen gehe ich hier nur auf American Football ein, aber das Gleiche gilt für andere Sportarten auch.
Gerade die Pläne von Colleges sind oft sehr leicht im Internet zu finden. Dazu holt man sich dann noch auf stack.com das neueste Sprint Workout von Patrick Peterson oder das Schulter Workout von Clay Matthews und schon ist man ready für die neue Saison! Oder?   Schauen wir doch einfach mal auf ein paar wichtige Aspekte der Trainingsplanung für College S&C Coaches:

  • Trainingsalter
  • Die Crux des Jugendbereichs: Entwicklung oder Erfolg?
  • Intensität, Volumen und Frequenz
  • Trainingsalter

Die Pläne dieser Athleten zu nehmen um sich zu orientieren, ein Gefühl für so manches Periodisierungsmodell und die Anforderungen an verschiedene Positionen zu verstehen ist erstmal absolut nicht verkehrt. Doch ist keiner von uns der Athlet, für den das geschrieben wurde!

Eines der wichtigsten Assessments in der Trainingsplanung eines Athleten ist sein Trainingsalter.

Das heißt: Wie lange ist er schon Krafttraining ausgesetzt und welches Level an Expertise hat er darin? Ein Division I Athlet bei Nebraska oder LSU hat im seltensten Fall keinen oder einen geringen Weightlifting Hintergrund. Stattdessen wird in den USA an einem großen Teil der Junior Highs und High Schools schon Krafttraining durchgeführt. Egal wie gut oder schlecht das Konzept dahinter ist, ein Jugendlicher profitiert zu 99% erstmal davon einer Langhantel ausgesetzt zu sein. Außerdem ist das Körpergefühl in all seinen Facetten schon deutlich besser entwickelt. Dort ist Olympic Lifting in vielen Programmen fest verankert. Ohne die Pros und Contras von OL durchzugehen: Wenn ich OL noch nie gemacht habe, dann aber mit 23 einen College TP umsetze in dem das der Main Lift ist, dann ist der TP zum Scheitern verurteil! Wir selbst brauchen aber einen Plan der genau unser momentanes Entwicklungsniveau widerspiegelt.

Ein Coach der uns nicht kennt und auch nie kennen lernen wird, wird uns nicht besser machen. Einem 8. Klässler legt man auch keine Matheaufgaben aus dem Abitur hin. Man führt ihn über die nächsten Jahre genau da hin damit er es dann wenn es darauf ankommt lösen kann!
Die Crux des Jugendbereichs: Entwicklung oder Erfolg?
Eine weiterer, und unglaublich wichtiger Punkt, ist, dass College S&C Coaches nicht unbedingt das sind was wir von ihnen erwarten. Wir erwarten von jemandem an einem großen College nicht weniger als einen Profi – überragend darin Spieler zu entwickeln. Das Problem am College ist aber dass die Spieler nicht unbedingt entwickelt werden, sondern es teilweise in die Richtung „Fressen oder Gefressen werden“ geht.                                                                              S&C Coaches werden teilweise über die 1RM, 3RM Charts oder andere sehr leistungs- und rekordbezogene Werte bezahlt.                                     Dazu kommt, dass die Kader riesig sind und es vollkommen egal ist ob Cornerback Nummer 3 und 7 gerade auf dem Zahnfleisch daher gehen. Dann nehmen 8 und 9 halt ihre Plätze im Depth Chart ein. Warum verletzen sich in den letzten Jahren wohl so viele Rookies in den ersten OTAs? Warum sagt ein Eric Ciano dass er oft 1-2 Jahre braucht um den Neuling runterzufahren und wieder aufzubauen?                       Weil an so manchem College einfach old-school Methoden vorherrschen, ein System regiert, dass die S&C Entwicklung nicht zulässt und so durchaus Athleten verheizt werden. Das soll nicht heißen dass jedes College schlechte Arbeit abliefert! Natürlich gibt es exzellente Programme, wie Stanford oder jedes Programm, dass gerade von Ron McKeefery geleitet wird. Aber erkennt man selbst als Regionalliga Wide Receiver wie gut ein Lifting Chart aus dem College ist? Am Ende zählt eben auch am College erstmal der Erfolg. Dem ordnet man alles unter. Ob der Spieler 3-4 Jahre später in der NFL noch bei 100% ist, das ist für das College nicht mehr wirklich ein Primärziel. Natürlich gibt man gerne mit All-Pro Alumnis an, aber fürs Recruiting muss man erstmal selber in Bowl Games kommen und ein erfolgreiches Programm haben. Wir selber brauchen aber einen Plan, der genau auf das zugeschnitten ist was wir gerade brauchen. Das kann kein Coach der uns nicht kennt. Außerdem bekommen wir im Internet nur die rohe Form des Plans. Welche Veränderungen für welchen Spieler mit Einschränkung „x“, Verletzung „y“ oder Beschwerde „z“ vorgenommen wird steht in der Standard Workout Card nicht drinnen.
Intensität, Volumen und Frequenz
Aus diesen beiden vorherigen Aspekten ergibt sich dann der nächste: Wer Athleten mit höherem Trainingsalter hat, welche man an die Grenzen führen darf (und muss) und sich darum keine Gedanken machen muss wo sie in der Zukunft stehen, der wählt Volumen und Intensität völlig anders. Außerdem ist die Trainingsdichte und –frequenz dieser Athleten, schon durch ihre Scholarships, eine komplett andere. Und darauf baut der Trainingsplan natürlich auf! Am College hat man häufig 4-5 Einheiten in der Woche. Außerdem sieht der S&C Coach in 8 Wochen Blöcken seine Athleten. Diese 8 Wochen müssen sitzen und sind dementsprechend aufgebaut. Dagegen ist es für viele Deutsche Footballspieler schon ein Kampf 2-mal die Woche ins Gym zu gehen, zudem skippt man dann gerne mal das Football Practice – Wie will man da auf locker 6-8 Einheiten in der Woche kommen und das 4 Monate lang durchhalten? Dadurch ist natürlich auch der Auf- und Abbau der Intensitäten und des Volumens komplett anders verteilt. Verpasst man nun regelmäßig Einheiten, dann verpasst man gerne schon mal den wichtigsten Lifting Tag der Woche. „Aber ich mache doch den anstrengendsten Tag aus dem Plan trotzdem immer!?“ Schwer ist nicht immer gut und wichtig. Dynamic und Max Effort, Taper, Rehab, mittleres Hantelgewicht der Woche, Geschwindigkeit des Lifts, Pausendauer…es gibt genug Aspekte auf die der S&C Coach sich in dieser Woche konzentriert haben kann. Von außen erkennt man das nun einmal nicht sofort.
Nun haben wir also kurz angerissen warum Pläne für Athleten mit anderer Vorerfahrung, einem Verein/College mit anderer Ausrichtung, anderen zeitlichen Möglichkeiten in einem Profisport-ähnlichen Umfeld nichts für den Hobby Footballer in Deutschland sind. Über Regenerations Equipment wie Cold Tubs, ein anderes Mindset der Athleten oder auch die eventuell einzige Möglichkeit zum sozialen Aufstieg durch den Sport als Motivator oder die fast schon Profi-Veträge einer Scholarship haben wir hier noch nicht mal ein Wort verloren.
Zum Klarstellung noch mal: Orientierung an solchen Plänen? Sehr gerne! Direktes Umsetzen? Nicht unbedingt! Aber was gilt es nun zu tun? B’s Video aus der Whiteboard Series zum Thema Periodisierung ist schon ein Anfang. Und man erzählt sich auf der Straße, dass ich in nächster Zeit mal ein paar Worte zum Aufbau von Trainingsplänen verlieren werde. 😉

Nico Kammann

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