Functional Training – hast du sonst keine Hobbys? Teil 1

Functional Training 

spaltet die Trainingswelt immer wieder auf ein Neues. Die eine Seite besteht aus überzeugten Verfechtern dieser Weltanschauung, die andere Seite wird oft von den Hardcore Hebern diePhuoc back 2ser Welt verfochten.

Mein Unverständnis gegenüber Functional Training liegt nicht daran, dass ich selbst Powerlifter bin, sondern viel mehr in einem mangelnden Respekt dieser Bewegung gegenüber der Trainingswissenschaft und Training in seiner Basis.

Warum das?

Dafür sollten wir erstmal definieren, was Functional Training ist:

„Bewegungen, die nur einen einzigen Muskel isoliert beanspruchen, sind als unfunktionell zu bezeichnen. Funktionelle Bewegungsformen integrieren immer mehrere Muskeln und Muskelgruppen gleichzeitig.“ (Gambetta und Gray 2002: Michael Boyle: Functional Training. S. 11)

Dieses Zitat habe ich allerdings aus dem Wikipedia Artikel  entnommen – nicht direkt aus dem Buch.

Der erste Punkt, der mich an dieser Definition verwundert: Warum wäre mein Powerlifting Training dann nicht functional? Ich mache Kniebeugen, Kreuzheben, Bankdrücken, Klimmzüge, Lunges, Military Press….. oder anders gefragt ist dann nicht so gut wie alles functional?  Halt nein! Geräte und Isolationsübungen sind nicht functional!

Warum sind Isolationsübungen unfunktionell? Die Antwort finden wir direkt danach:

“Im Grunde genommen werden Bewegungen, anstelle einzelner Muskeln trainiert”

Die Grundidee ist also die Funktionalität durch Bewegungsmuster, die nahe an “natürlichen” Bewegungen liegen, zu schaffen. Hier treffen wir wieder die Spezifik an (Sie wird ein steter Begleiter in diesem Blog sein…) Die Spezifik läge hier in natürlichen Bewegungen.

Viele Ansätze des Functional Trainings kommen aus der Physiotherapie, gleichzeitig verbannt man aber den Gedanken, dass das isolierte Training eines Schwachpunktes im System die Grundlage für ein verbessertes Bewegungsmuster sein kann.  Für mich nicht schlüssig, aber ist nur meine Meinung – ohne wissenschaftliche Basis.

Mein größter Kritikpunkt ist die Scheu vor Belastung aus den falschen Gründen und vor allem die massiv vorherrschende pseudo Logik.

Belastung und Training

Hier beginnt mein Kritikpunkt, dass Sportwissenschaft einfach zu oft übergangen wird.

Training ist immer die Situation in der wir den Körper einem Reiz aussetzen, welcher überschwellig, also größer als bekannt sein muss, um eine Anpassung
während der Erholung auszulösen.

Belastung ist also eine notwendige Komponente des Trainings. Ist die Belastung zu niedrig – keine Anpassung. Ist die Belastung zu hoch – Überlastung. Ist die Belastung unphysiologisch – Verletzung.

Im Training muss Belastung gesteuert werden, das ist Trainingsplanung. 

Wenn man nun die Übungen mit koordinativen Reizen überflutet in dem man wackelige Untergründe, Barfuss Arbeit, wackelige Lasten etc. nutzt, dann fühlt sich das Training schwierig und anstrengend an – der Reiz ist trotzdem niedrig. Natürlich kann man eine Zeit Fortschritte machen, aber die sind nahezu ausschließlich koordinativer Natur…

Ich predige immer, dass Training nicht maximal sondern optimal sein sollte, aber wirklich es kann auch einfach ein Hobby sein sich schwierige Aufgaben zu stellen und diese zu lösen – es ist aber kein Training!

Wir haben also das Problem der unterschwelligen Reize, die vor allem auf zwei Dingen beruht:

  1. Falsche Belastungsbewertung
  2. Keine Ahnung von Trainingssteuerung

Falsche Belastungsbewertung:

Belastung ist nicht immer direkt korrelierend mit der externen Last! Oder einfacher ausgedrückt:

Die Belastung die a
uf die Gelenke wirkt ist nicht immer gleich dem was man auf der Hantel hat.

Ein Beispiel, um d
ies zu verdeutlichen: Wenn ein durchschnittlicher Mensch seinen Quadrizeps anspannt, erzeugt er damit eine Kompression von 700N, also ca. 70kg – ohne auf dem Bein zu stehen.

Wenn ich einen Kettlebell Carry mache mit einer 20kg Kettlebell in der rechten Hand wirkt auf meine Wirbelsäule nicht eine Last von  20kg – die Muskulatur die meine Wirbelsäule stabilisiert erzeugt ein vielfaches an Kompression. Wer dazu mehr wissen möchte sollte sich diesen Podcast von Smarter Team Training mit Dr. Stuart McGill anhören.

Dementsprechend ist eine Bewegung mit Körpergewicht nicht immer eine niedrige Belastung und die wirkende Last eines 3kg Gewichtes mit ausgestrecktem Arm eben ein Resultat des wirkenden Hebels – also ein Vielfaches.

Wie vorhin schon erwähnt ist das alles grundsätzlich nicht schlimm – wir brauchen Belastung ja um einen Trainingsreiz zu setzen. Aber wir müssen eben wissen, dass die Belastung nicht so niedrig ist wie das Gewicht, das wir in der Hand haben. Wir müssen aber auch kein Angst davor haben eine Hantel in die Hand oder auf den Rücken zu nehmen.

Die Angst vor Verletzungen durch “sichtbare” Last ist also basierend auf einer falschen Annahme davon wie Training funktioniert und wie sich eine wirkende Last ergibt.

Warum ich mangelndes Wissen im Bereich Trainingssteuerung ankreide erfahrt ihr in Part 2! Also stay strong und seid mal mehr functional!

 

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